Schaum auf der Ostsee – trozdem Dorsch!

Geschrieben von Christian am 18. Juli 2009 | Abgelegt unter

Steffen

Angelkumpel Steffen mit Ostseedorsch

Seit Tagen pfeift der Wind über die Ostsee und wenn ich mir das aufgewühlte Meer so  anschaue kann ich kaum glauben, dass wir es Ende Mai haben. So ist an Angeln jedenfalls  nicht zu denken.

In den Tagen zuvor hatte ich mir zwar ein paar Mal den Wetterbericht und vor Allem die  Windberichte angeschaut, dass hier aber ein solcher Sturm herrscht hatte leider keine der mir  bekannten Webseiten vorhergesagt. War schon das Heringsangeln, aufgrund des langen Winters, nicht so erfolgreich wie in den Jahren zuvor, schien auch dieses Wochenende ein  Flop zu werden. Wäre ich doch bloß zu Hause geblieben – an meinem Hausgewässer werden die Hechte langsam munter … da wäre mehr zu holen gewesen, dachte ich.

Während ich noch mit zugekniffenen Augen am Strand stehe und versuche meine  Enttäuschung zu verarbeiten und im Geist nach Alternativen suche, wie dieses Wochenende  noch zu retten wäre, kommt eine Gestalt durch den Sturm auf mich zugestapft. „Heute Abend  kommen wir raus …“ dies versichert mit Ralf Herold, von vielen nur Knurri genannt, er sollte mein Guide an diesem Wochenende sein und etwas ungläubig sage ich nur „Na dann hoffen  wir mal auf ein Wunder!“

Erst einmal setzen wir uns aber zu einem Kaffee in die Küche und schnell entwickelt sich ein

Knurri mit schönem Dorsch

Knurri mit schönem Dorsch

interessantes Gespräch … Ralf und Bernd – die beiden Betreuer vor Ort kennen sich und das  Angelrevier, das nur 100m hinter der Küche immer noch vor sich hintobt, seit Jahren und immer wieder ist die Ostsee hier für Überraschungen gut. Seit zwei Jahren werden die Angler hier auch professionell betreut, so stehen neue Boote mit sparsamen 4-Takt-Außenbordmotoren zur Verfügung, die auch von Anglern ohne Bootsführerschein geliehen werden können. Angelgästen und ihren Familien stehen unterschiedliche Unterkünfte zur Verfügung. Neben einfachen, aber urgemütlichen, Unterkünften direkt bei Ralf und Bernd, können Gäste auch in einer der Pensionen in direkter Nachbarschaft untergebracht werden oder sich eine der Ferienwohnungen mieten. Auch wer – nach vorheriger Absprache – mit dem Wohnmobil anreist, kann auf dem weitläufigen Naturgrundstück campen oder den nahen Campingplatz nutzen. So findet sich für jeden Geldbeutel und jeden Geschmack eine passende Unterkunft. Wie ich auf den vielen Fotos, die Ralf dann herausholt, sehen kann, sind auch bemerkenswerte Fänge möglich – wen man denn auch auf die Ostsee rauskommt.

Während wir noch miteinander reden, meint Bernd auf einmal: „Hey, schaut .. die Sonne kommt raus und der Wind hat nachgelassen“ Schnell ist der Kaffe ausgetrunken und wir  gehen zur Steilküste um uns die Sache genauer anzuschauen.

Abendstimmung an der Ostsee

Abendstimmung an der Ostsee

Auf dem Weg zum Wasser erklärt mir Ralf, dass in den letzten Wochen westliche und nordwestliche Winde vorherrschend waren, dies ist am ungünstigsten für das Angeln vom Boot aus, da die Ostsee dann sehr kabbelig wird und bei etwas stärkerem Wind hohe Wellen aufbaut. Günstiger – auch wenn daran im Moment nicht zu denken ist, sind ablandige Winde aus südlichen  Richtungen, welche die Wellen drücken, so dass sie sich erst gar nicht so stark auftürmen können. Am Wasser angekommen ist es dann auch fast windstill und Ralf und ich beschließen es heute doch noch zu versuchen. Als wir dann unsere Ausrüstung vorbereiten steht Ralf wieder neben mir und meinte nur „Siehste, hab ich doch gesagt. Aber es wird schwer heute.“  Blitzschnell sind dann die vorbereiteten Sachen gepackt, die Boote zu Wasser gelassen und es kann losgehen. Das Wasser ist noch sehr aufgewühlt und so versuchen wir es erst einmal bei nur sieben Meter Wassertiefe und können auch ein paar kleinere Dorsche fangen, die jedoch das Mindestmaß noch nicht erreicht haben. Die Drift ist auch noch zu stark, so dass wir an alternative Techniken wie dem Schleppen mit Naturködern, nicht zu denken brauchen. Noch ein, zwei Versuche an interessanten Stellen und ein paar Fotos gemacht, doch es stellt sich nicht der Erfolg ein, den wir uns versprochen haben.

Dann meinte Ralf zu mir, dass es Zeit wäre etwas Anderes auszuprobieren. Fix kramte er zwei unscheinbare Rapala-Wobler aus seiner Tasche und drückte mir seine Angelrute in die Hand. „Einfach ablassen, wenn du merkst, dass er am Boden aufschlägt, holst du die Schnur etwas ein … “ Ralf tuckerte im Standgas und beobachtete das Echolot und mein Wobler ging auf Tiefe. Ich bin fest der Überzeugung, er war noch nicht ganz unten, da gab es einen Schlag in der Rute, wie ich ihn noch nicht erlebt habe – aber nach zwei Sekunden war der Spuk schon wieder vorbei.  „Mist!!“ „Gib etwas Schnur nach …. “ rief mir Ralf zu und in der Sekunde „knallte“ es  wieder in der Rute. Nach einem aufregenden Drill hatten wir nach kurzer Zeit einen schönen Dorsch von guten 75 Zentimetern im Boot und es sollte nicht der Einzige bleiben. Der  Nachteil, dass wir auf das Schleppen eigentlich gar nicht vorbereitet waren und deshalb keine Rutenhalter an Bord hatten, erwies sich schnell als Vorteil: Aktiv führten wir die Wobler in den verschiedenen Wassertiefen und wenn nach ein paar Minuten kein Biß kam, wurde die  Tiefe geändert und spätestens dann „rumste“ es wieder.

Nach drei Stunden hatten wir genug, der Wind nahm langsam wieder zu, die Fische mussten  noch versorgt werden und dann hatte Ralf noch einen Abend in der Grillhütte versprochen, der vorbereitet werden musste.

Fazit: Auch wenn es erst nicht danach aussah wurde dieser Angeltag, dank Ralf, doch noch  zum Erfolg und die Taktik mit einem Wobler den großen Dorschen nachzustellen habe ich wohl nicht das letzte Mal ausprobiert, zumal mal damit sehr selektiv an den Hornhechten vorbei angelt, die heute nicht unser Ziel waren. Auch wenn sich der ein oder andere Hornhecht nicht an diese Absprache gehalten hat.  Nach dem Versorgen der Fische klang dieser Abend – wie versprochen – mit einem Essen in der urgemütlichen Grillhütte aus, wo ich weitere Angler kennen lernen konnte. Und nach vielem Fachsimpeln, Fotos anschauen und einer sehr leckeren Dorschpfanne fiel ich gegen 23:00 Uhr ins Bett.

Hinweis: Dies ist der Bericht eines Gastes an der Ostsee aus dem Jahr 2006. Mittlerweile hat sich Knurris Angeltouren voll auf Norwegen konzentriert und bietet seine Touren und Guiding nur noch in Skandinavien an.

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